MUTTERWITZE

woher kommt der Begriff und was steckt dahinter

Wer sich im Internet auf die Suche nach Beispiele für einen Mutterwitz macht, der stößt im Regelfall vor allem auf Witze, die die Mutter in einem schlechten Licht erscheinen lassen. Witze, die man quasi über die Mutter reißt bzw. erzählt. In diesen Beispielen spielt die Mutter als Person eine Rolle und wird mit negativen, vermeintlich komisch wirkenden Eigenschaften und Eigenheiten in Verbindung gebracht. Hierbei handelt es sich nicht um einen typischen Mutterwitz, sondern um einen Witz über Mutter oder um jemanden, der Mutter bewitzelt.

Ein Mutterwitz im klassischen Sinn steht vielmehr in einem positiven Zusammenhang mit der (eigenen) Mutter, zu der man schon als Kind letztlich eine besondere Beziehung hat. Die Mutter kümmert sich, umsorgt einen und vermittelt einem das Wichtigste, was man im Leben braucht. Diese besondere Beziehung, die teils nur schwer rational erklärbar ist, ist die Basis des tatsächlichen klassischen Mutterwitzes. In Europa gilt der Mutterwitz als ein Synonym für Wissen und Klugheit.  D.h. der Mutterwitz in seiner eigentlichen Bedeutung ist also kein sich über die Mutter lustig machen, sondern eine Art der Anerkennung dessen, was die Mutter leistet und weiß und wo sie sich einbringt. Gute Mutterwitze sind Witze, die zur Situation passen und nicht gestellt sind. Der Mutterwitz ist eine dauerhaft vorhandene Eigenschaft, die man hat, wenn man Zusammenhänge fix aufnehmen und analysieren bzw. darauf reagieren kann. Gewitztheit bzw. Klugheit kann man hierfür als Synonym verwenden.

Das Wort Mutterwitz setzt sich aus den beiden unabhängigen Wörtern Mutter und Witz zusammen. Mutter ist dabei als anderer Begriff für Eigenschaften, die man von Geburt an besitzt zu verstehen, während der Witz – zumindest im ursprünglichen Sinne – Wissen, Klugheit und Verstand gleichgesetzt wird. Mit dem klassischen Humor hat es eigentlich nicht wirklich etwas zu tun. Es geht beim Mutterwitz in seiner eigentlichen Bedeutung also nicht darum, über die Mutter zu lachen bzw. sie lächerlich wirken zu lassen. Es geht hier also keineswegs darum zu sagen: Mutter Witze reiße ich sehr gerne über dich. Der Mutter Witz wird also sehr leicht verwechselt mit Sprüchen über die Mutter.


Der Begriff des Mutterwitzes taucht zahlreich auch in der klassischen Literatur auf. U.a. auch bei Shakespeare. In unserer Sprache nutzt bzw. findet man teilweise als Synonym – auch in den literarischen Werken – den Begriff der Bauernschläue.


Der Begriff Mutterwitz ist aufgrund des Bildes, was man hierzulande in Europa von Müttern bzw. Frauen hat, eigentlich ein positiv besetzter Begriff, der jedoch durch die Verwechslung mit Sprüchen über die Mutter teilweise ins negative bzw. lächerliche gezogen wird und somit eine völlig andere Bedeutung erhält.


Die Bedeutung des ursprünglichen Begriffes z.B. in anderen Kulturkreisen ist immer auch sehr stark vom Bild abhängig, welches man also von Frauen bzw. Müttern im Allgemeinen hat.